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Beat Hüppin ist ein Songwriter und Multiinstrumentalist und wohl fast ein "musikalischer Workaholic". In diesem Herbst hat er gleich zwei Alben veröffentlicht. Eines in English und mit dem Projekt "voguFisch" auch ein Mundart-Album. Für diese Alben hat er auch alle Instrumente selber eingespielt und vertreibt die Werke nun unter seinem eigenen Label "More Guitar Records". Grund genug Beat ein paar Fragen zu stellen:
Interview mit Beat Hüppin
Du sagst von Dir, dass Du selber nur wenig Mundart hörst. Wieso hast Du mit voguFisch trotzdem ein Album in Mundart produziert?
Beat: Trotz der Tatsache, dass ich vor allem englischsprachige Musik höre, ist Schweizerdeutsch immer noch meine Muttersprache und ich bin darin kulturell verwurzelt. Ausserdem kann es gerade interessant sein, wenn man eine Mundart-CD hat, die musikalisch und textlich nicht nur die üblichen Mundart-Vorbilder zitiert.
Wenn nicht Mundart – welche Musik findet man bei Beat Hüppin im CD-Gestell?
Beat: Querbeet von Rock bis Hardrock und teilweise Metal, dann auch viel Blues, Country, gewisse Funk- und Soulsachen... Wie gesagt, hauptsächlich englischsprachige Sachen, sehr vereinzelt CH-Mundart, einige deutschsprachige Sachen wie Stoppok oder BAP. Ich bin ein vergifteter Sammler, d.h. wenn ich eine Band oder einen Künstler gut finde, kaufe ich nach und nach meist alle Alben von ihm. Ältere Sachen gerne auch auf Vinyl.
VoguFisch hast Du von der Redensart „weder Fisch no Vogu“ abgeleitet. Inwiefern trifft diese Redensart auf Dich oder Deine Musik zu?
Beat: Ich bezeichne mich als musikalisch vielseitig und nicht genau einem Genre zuweisbar. Bewusst lasse ich mich nicht in ein einziges Raster einpressen. Ich mache ja auch verschiedene Sachen parallel und spiele ausserdem auch mehrere Instrumente. Manchmal fühle ich mich auch kulturell etwas wie "weder Fisch no Vogu", da ich mütterlicherseits finnische Wurzeln habe und mich mit der nordischen Kultur und Mentalität auch sehr verbunden fühle.
Für voguFisch hast Du alle Texte, Musik und sämtliche Instrumente selber produziert. Zudem veröffentlichst Du gleichzeitig noch ein englisches Album. Woher nimmst Du die Energie und das Engagement für solch grosse Projekte?
Beat: Dies ist einfach ein innerer Drang, der von Natur aus vorhanden sein muss – anders wäre es gar nicht machbar. Woher kommt es, dass es Menschen gibt, die eben schöpferisch veranlagt sind? Ich weiss es nicht, aber ich habe diesen Drang schon immer gehabt. Da sich in gewissen Phasen viel anstaut, was rauswill, hatte ich diesmal auch mehr als genug Ideen, um im gleichen Jahr zwei Alben gleichzeitig zu machen. Natürlich braucht es auch viel Energie, aber allein schon die Freude am gelungenen Ergebnis gibt einem mehr als genug von dieser Energie, um weiterzumachen.
VoguFisch ist ein Projekt, welches Du nicht unbedingt zum Live performen auf die Beine gestellt hast. Wieso sind mit voguFisch keine Gigs geplant?
Beat: Es ist halt immer eine Frage der Prioritäten. Um die voguFisch-Songs auf die Bühne zu bringen, bräuchte ich eine feste Band, mit der ich intensiv proben müsste, da dieses Songmaterial mit einer Liveband nicht ganz einfach umzusetzen ist. Ich habe mit Tumblin Dice, wo ich "nur" Bassist bin, regelmässige Liveauftritte und möchte dort auch nicht aufhören. Da muss ich einfach sagen, ich muss mich auch einschränken, alles ist nicht machbar. Meine Woche hat auch nur 7 Tage. Ich habe die Scherbe jetzt erst mal aufgenommen und veröffentlicht; vielleicht gibt es später auch Liveauftritte, wenn eine entsprechende Nachfrage da ist. Aber es ist ganz klar nicht primär ein liveorientiertes Projekt.
Mit dem Eröffnungstrack „Was die chöi, chöne mir o“ sprichst Du wohl jeden von uns ein wenig an. Hat Dich dieser Gedanke dazu bewogen dieses Album zu produzieren um zu zeigen: „Was die chöi, cha i o“?
Beat: Nein, ich muss niemandem mehr beweisen, dass ich Songs schreiben oder sie aufnehmen kann. Ich mache einfach das, woran ich Freude habe. Mit "Was die chöi" ist ja genau das Umgekehrte gemeint, dass so viele immer wieder das Gefühl haben, was einer in einem bestimmten Bereich leistet, sei ja einfach, ohne aber wirklich eine Ahnung davon zu haben, was alles damit verbunden ist. Gerade auch in der Musik: viele gute Sachen klingen gefühlsmässig sehr einfach, wenn man sie aber nachspielen will, merkt man, wie raffiniert es im Grunde ist.
Bei einzelnen Songs wird vor allem die Unzufriedenheit der Menschheit (oder vielleicht von Dir) zum Thema. Bei andern spürt man richtig die Lebensfreude. Wann bist Du unglücklich und wann zufrieden?
Beat: Man muss einschränkend sagen, dass vieles nicht von mir selbst handelt, aber es stimmt, dass für meine Songs die ganze Bandbreite der Empfindungen eine Rolle spielt. Musik, die immer nur eine einzige Emotion transportiert, langweilt mich (und wahrscheinlich auch das Publikum) rasch. Um auf die Frage zurückzukommen: zufrieden bin ich am ehesten dann, wenn ich mich selber sein darf, mit eigenen Meinungen, Gedanken, Empfindungen; unzufrieden dann, wenn mir diese aufgezwungen werden. Die grösste Freiheit finde ich in der Natur und speziell in den Bergen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Gefühl, etwas Sinnvolles tun zu können. Wenn dies nicht der Fall ist, bin ich auch rasch frustriert bzw. suche nach anderen Wegen.
Bleibt es mit „voguFisch“ bei einem einmaligen Projekt oder sind für die Zukunft noch weitere Aktivitäten mit voguFisch geplant?
Beat: Das kommt ganz darauf an! Wenn entsprechende Resonanzen da sind und ich Lust darauf habe, ein zweites Album nachzuschieben, dann kann ich mir schon vorstellen, dass ich es auch mache. Erste sehr interessante Ideen sind in meinem Notizbüchlein schon festgehalten, aber das ist zum jetzigen Zeitpunkt natürlich noch lange nicht genug für eine ganze CD.
Wieso sollten die Besucher von Mundart-Rock.ch gerade Dein Album kaufen?
Beat: Weil sie hier einen Musiker erleben können, der seine ganz eigene Sache aus dem Bauch heraus macht und diese Sache einfach grundehrlich durchzieht (es klingt zwar abgedroschen, aber in meinem Fall stimmt es tatsächlich!), mit Stärken und Schwächen, Ecken und Kanten. Wer sich darauf einlässt, für den lohnt es sich bestimmt. Versprochen!
Wir möchten uns bei Dir für dieses Interview bedanken und wünsche Dir viel Erfolg mit Deinen beiden neuen Alben.
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