Nachfolgend einige Erläuterungen zu den einzelnen Stücken:
I tröime mi zu Dir (Brüggemann/Hofer)
HP Brüggemann ist seit 25 Jahren mein musikalischer Partner und hat für dieses Album 7 Kompositionen beigesteuert. Er hat die Aufnahmen mitproduziert und die Band geleitet. Ich bin ihm zu grossem Dank verpflichtet. Dieses Lied kam mir nicht zuletzt wegen Mario Capitanio’s Gitarrenlinie irgendwie verträumt vor, also habe ich einen entsprechenden Text gedichtet. Für mich ist es eine Art kalifornischer West-Coast-Sound. HP gibt mir den Pop-Appeal mit seinem Gespür für Harmonie und Melodie, und ist zudem für mich unentbehrlich, was die Anwendung neuer Technologien betrifft.
Wie söll me däm de säge süsch? (Brüggemann/Hofer)
Obschon ich der Meinung bin, dass ein Song nicht erklärt werden sollte, sondern für mich selber spricht, gibt es doch einige Hintergrund-Informationen dazu. Wiederum eine Brüggemann-Komposition, die er im Hip-Hop-Bereich angesiedelt hat, und mir die Möglichkeit zum intimen Rappen und gefühlsvollen Singen gibt. Zudem steuert Daniel Küffer am Sopran-Sax sein kreatives Potential bei.
Ds letschte Hemmli (Brüggemann/Hofer)
Der Tod ist ein Naturgesetz und keine Religion. Es ist nicht mein erster Song zu diesem Thema. Und Brüggemann, immerhin ein Pfarrerssohn, hat den Gospel-Flair authentisch hingekriegt, sowohl was das Klavierspiel betrifft wie auch das Gesangs-Arrangement mit den Afro-Amerikanischen Damen Nichols und Goodlet. Es geht also: Berndeutsch und Schwarze Kirchen-Musik. Der erwähnte König Midas passt gut als Metapher zu unserer Zeit.
Bönigen am Quai (Brüggemann/Hofer)
Ich bin ja in Interlaken aufgewachsen, auf dem „Bödeli“ zwischen den Seen. Und da gehört der hübsche Ort Bönigen (gleich neben dem Mystery-Park) dazu. Jeden Sommer finden hier Dorffeste rsp. –Chilbi statt, und wir damals jungen Burschen tobten uns auf der „Putsch-Autobahn“ oder dem Tanzboden aus, immer ein Auge auf die „Miss Dorfplatz“ gerichtet. Die Musik, wieder von Brüggemann, hat etwas Karibisches oder Afrikanisches, und eine gewisse „Swissness“, sag ich mal. Und die Grille ist echt, und eignet sich als Symbol für die Hülle, hat sie doch die gleiche Motivation beim Singen wie ein Rocksänger: Den Damen zuliebe. Die Grille ist auch eine Art Prototyp.
Ds Beschte chunnt erscht no (Brüggemann/Hofer)
Eigentlich sollte man ein Lied nicht erklären müssen; dieser Text entstand unter dem Eindruck der Wirtschafts- & Finanz-Krise. Sicher ist, dass hier ein kompositorischer Wurf gelungen ist. Das gesamte Song-Gefüge ist von hoher musikalischer Qualität.
Vergange und verby (Brüggemann/Hofer)
Diesen Text hatte ich anno 1981 geschrieben und in anderer Form umgesetzt, aber nie “live” gesungen. Jetzt kam Brüggemann mit dieser Melodie und diesem Arrangement daher, also habe ich den Text etwas erneuert und siehe, rsp. höre: Es hat gepasst und den angestrebten Soul-Effekt gefunden.
Lampefieber (Capitanio/Hofer)
Als wir im Mai 09 das Album fertig stellten, merkten wir, dass noch eine schnelle Rock-Nummer fehlte. Also sass ich mit Mario Capitanio zusammen, und wir grübelten. Mario ist ein begnadeter Gitarrist und Sänger, der praktisch bei jeder zeitgenössischer Populärmusik mithalten kann. Jedenfalls, nach 2 Stunden hatten wir diesen Texas-Stil-Rocker beisammen und nach nochmals einer Stunde war die Aufnahme im Kasten. Mario war bei diesem Album von Anfang an dabei und spielt auf jedem Song mit. Zudem hat er mir mit seinem speziellen Humor manche Situation versüsst.
Verdingbueb (trad./Hofer)
Ich wollte etwas mit dem sogenannten „Second-Line-Beat“ machen, der sich aus der Tanzmusik von Louisiana entwickelte. Mit dem Super-Rhythmus-Duo Walter und Peter Keiser war das ein Vergnügen. Zudem wollte ich die dramatischen Gitarrenklänge von Hank Shizzoe dabei haben. Wir haben dazu eine traditionelle irische Akordfolge benützt, und ich habe das Thema des Kinds-Missbrauchs verwendet, weil ich einen Artikel über Kinder-Soldaten las, was mich auch an das Schicksal unserer einheimischen Verding-Kinder erinnerte.
Du Ängel, Du -Originaltitel: You Angel You, von Bob Dylan
1974 hat Bob Dylan dieses Lied auf dem Album „Planet Waves“ mit „The Band“ veröffentlicht. Bob Dylan war immer mein Held, seit ich 1963 zum ersten Mal von ihm hörte. Sein dichterisches Werk ist immens und einzigartig. Er dürfte auch der am meisten gecoverte und übersetzte Musiker der Rockgeschichte sein. Ich habe dieses Lied quasi 1:1 übersetzt. Als Gast spielt der Luzerner Geheimtip Richard Koechli an der Gitarre mit. Mandoline spielt der US-Schweizer Gerard Theiler (früher: Blue Grass Blossoms), der zufällig während meiner Aufnahmen in Bern weilte. Es ist ein einfaches Pop-Liebeslied.
Dr blind Willie McTell - -Orgininaltitel: Blind Willie McTell, von Bob Dylan
Als ich 2001 mit meiner Frau Alice von Atlanta nach New Orleans unterwegs war, sah ich am Strassenrand einen „Historic Marker“ über Willie, von dem ich vorher nichts gewusst hatte. Erst später hörte ich Bob Dylan’s Lied über ihn. Darin erzählt der Dichter in 3 Minuten die amerikanische Früh-Geschichte. Faszinierend und unerreicht.
Ou Ou Ou / (Es het mi wunder gno) - Originaltitel: Um Um Um (Courious Mind) von Curtis Mayfield
Auch hier handelt es sich um eine Adaption. Die Vorlage stammt vom verstorbenen Curtis Mayfield, einem der grossen Soul-Musik-Komponisten der 60er Jahre. Ein simpler Ohrwurm, den wir mit Techno-Spielereien und Bläsern aufgemotzt haben.
Truurigi Lieder - Originaltitel: Sad Songs And Waltzes von Willie Nelson
Alles, was Willie Nelson schreibt und singt, fasziniert mich. Diese einfache Melodie und der witzige Text haben es mir angetan. Ich wurde vom Berner Musiker Bruno Dietrich auf diesen Song aufmerksam gemacht. Merci Bruno!
Jupi Jupi – Originaltitel: Making Whoopee von Gus Kahn/Walter Donaldson
Das ist eine genaue Übersetzung des alten Nat King Cole-Klassikers „Making Whoopee“ aus dem Jahr 1947. Wir haben das als bluesigen Lounge-Jazz inszeniert. Wie man es in einer besseren Hotel-Bar noch heute hören kann. Die Story fand ich einfach lustig und real.
Arsch-LO.ch (trad./Grandson/Hofer)
Dies ist ein Protest-Song gegen die Verwilderung im Strassenverkehr! Wenn ich mit der Band auf Konzertreise bin, legen wir oft Hunderte von Kilometer hin und zurück. Da erlebt man die Rücksichtslosigkeit und das Imponier-Gehabe mancher Teilnehmer blech- und hautnah. Da kann ich sauer werden und verstehe nicht, warum keine härteren Strafen ausgesprochen werden. Wenn man dann noch die Zeitungen liest, merkt man, dass diese Leute nur eine einfache, rohe Sprache verstehen, und ich habe einen entsprechend deftigen Text zu einer Art Dixie-/Country- Sound verfasst (siehe Hinweis).